torrobuch
Deutsch

Weil er sich von der Gesellschaft verlassen fiihlte, musste er sich ein neues Weltbild schaffen und neue für ihn gültige Werte.

Seine Wegsuche hat Hämmerle auch die Vorliebe für das Geschriebene eingebracht, für Aphorismen, Gedankengänge, Parabeln und psychologische Ansätze über Gott und die Welt. Festgehalten sind sie im Bändchen "Handlungsreisender zwischen Welten und Werten".

Passion und Mission

Die Neuerscheinung ist gleichzeitig Ausdruck seiner Mission: "Wenn Geld zum alleinigen Maßstab auch für die Bewertung der Menschen wird, könnte die Aufgabe der Lite ratur sein, die menschlichen Werte (neu) wieder fortzuschreiben. " Und um es mit dem Bild des immer dahinfließenden Flusses auszudrücken: "Wo die Gier und Machtbesoffenheit angehinimmelt wird, wächst Lieblosigkeit, Kaltherzigkeit, Verrohung und Sinnlosigkeit. Der Lebensfluss wird bewusst zerstört. Der Lohn ist Mammon. "

Es lohnt sich, das kleine Bändchen zu kaufen, und sich damit an die Kammel oder Mindel zu setzen. Trotz der Eiseskälte wird das schnelle Studium des Bändchens zu einer wertvollen Erfahrung. Es regt an, kurz aufzuhorchen und die Natur in vollen Zügen aufzusaug um ein wenig zu innerer Ruhe kommen.

 

Gedanken am Fluss Erschienen im Gerhard Hess Velag, ISBN 978 3 87336 907 8

Zu beziehen auch direkt beim Autor unter der Telefonnummer (07303)3711.

Schafe in SpanienPersönliches Erlebnis
Geweckt wurde die Leidenschaft Stefan Hämmerles für die Transhumanz durch ein Erlebnis auf dem Pilgerweg San Diago de Compostela.Als er in Richtung Salamanca lief, verirrte er sich. Spätabends nahm ihn ein vorbeiziehender Schäfer mit auf die Reise, zu seinem gesuchten Ziel.
So erlebte er erstmals die Arbeit eines Schäfers hautnah. „Ein Hirte steht mindestens 12 Stunden auf dem Weg, trägt hohe Verantwortung, ist Biologe, Veterinär, Koch, Pfadfinder, Hundeführer und vieles mehr“, erzählt Hämmerle begeistert. Nach dieser Begegnung änderte Hämmerle seine Einstellung und bekannte sich ganz klar zu diesem uralten Berufsstand, der nie im Wohlstand schwelkte, aber immer überlebte. Auch Wissen und Können wurden von Hirten immer an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Berufsstand des Schäfers nimmt ab. Bedauerlich stellt Hämmerle fest: „Hier bei uns im Allgäu sieht man so gut wie keinen Schäfer mehr“.
Vor 40 Jahren habe es in Krumbach noch einen gegeben.Leider rechne es sich für die nicht mehr, mit einer Herde durch die Lande zu ziehen.Der Nutzen der Schafe für die Natur ist enorm: Sie transportieren Pollen weiter und verscharren diese an einer anderen Stelle wieder im Boden.Sie liefern Milch und Wolle.
Wer heutzutage als Schäfer sein Lebensunterhalt bestreiten möchte, hat es aufgrund der politischen Rahmenbedingungen schwer.
Wenn die EU die weidetierbezogene Förderung auf eine Flächenprämie umstellt, dann würden Schäfern ohne Landbesitz ein Teil ihres Einkommens verlieren. Deshalb haben die Schäfer ganz oben auf ihre Agenda die verbesserte Honorierungen ihrer Leistungen im Landschaftsschutz gesetzt. Ein ganz besonderes Herzensanliegen ist es Hämmerle, dass das wertvolle Wissen von Hirten und Nomaden langfristig auch in unsere moderne Gesellschaft eingebracht wird.

Beispielsweise tragen sie Pollen weiter und arbeiten sie mit ihren Klauen an einer anderen Stelle wieder in den Boden ein. Sie geben Milch für Käse und nicht zuletzt galt ihre Wolle schon immer als Goldenes Vlies. „Schafe und Ziegen waren früher die Kühe des kleinen Mannes“, sagt Hämmerle.

Heute Schäfer zu sein, ist eine große Herausforderung: Stellt die EU beispielsweise die weidetierbezogene Förderung auf eine Flächenprämie um, dann geht Schäfern ohne Landbesitz ein Teil ihres Einkommens verloren. Außerdem müssen sie immer öfter mit Betreibern von Biogasanlagen konkurrieren, die auf freien Flächen Energiepflanzen wie Mais anbauen wollen.
Um überleben zu können, fordern die Schäfer, dass ihre Leistungen im Landschaftsschutz besser honoriert werden. Hämmerle geht es auch darum, das Wissen von Hirten und Nomaden zu erhalten. Wie wichtig es ist, hat er selbst erfahren: Er wanderte auf dem Jakobsweg und kam abends vom Pfad ab. Ein Schäfer brachte ihn wieder auf den rechten Weg – zum Glück.


Damals wurde Hämmerles Interesse an dem Multi-Beruf geweckt: Schäfer sind Geografen, Geologen, Biologen, Veterinäre und tragen eine große Verantwortung. „Ein Schäfer ist immer auf sich selbst gestellt. Er kennt keine Existenzängste, weil er stark sein muss. Und er ist ein selbstbestimmter und freier Mann.“

Der Hirtenjunge des Schäfers ist voller Freude, so ein fremdes Schaf in der Herde mit Vollbart, das aussieht wie Bismarck, nein so etwas kennen auch seine Freunde bestimmt nicht. Ja, das gibt Gesprächsstoff. Langsam bricht die Dunkelheit herein. An einem bergigen Abschnitt wird die Herde mit einem Gatter eingepfercht. Der Schäfer gibt mir eine Decke und ich lege meinen Schlafsack unter einem Baum darauf, so ist mein Nachtlager bereitet. Später, da beginnt der Alte zu kochen und ich bin einfach skeptisch.

In meinem ganzen Leben war ich noch nie so im Tiefschlaf. Waren es die Hirtenhunde, die auch mich, den Fremden bewachten, die Sterne der Sierra, die ich noch nie so groß und in dieser Vielzahl gesehen habe? Oder meine Suche nach dem Bibelspruch und seiner Bedeutung: „Der Herr gibt’s den Seinen im Schlafe.“ Oder alles zusammen. „Das Leben ist eine Pilgerreise.“ …..

Dieses nicht geplante Zusammentreffen mit Schäfer und Schafen verändert meine Einstellung zum Pastore und seinem Können, zu den Tieren, der Arbeit und der Verantwortung. Ja und darauf bin sich stolz. Diese Episode führte mich im vergangenen Jahr wieder nach Spanien und ich sah, erlebte, lernte und erkannte: Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.

So war ich unterwegs mit Hirten im Ebrodelta, Albarracin, Guadalaviar, Extremadura. Antonio, Pastore seit Jugend, führt nur noch 400 Ziegen. Eduardo eine gemischte Herde von Schafen und Ziegen, die Milch geht an eine Käserei.

Die Wanderschäferei auf den Canadas – Real ist in der Landschaftspflege und im Naturschutz nicht mehr wegzudenken. Doch Preisverfall bei Schafen und Kostensteigerung bei Energie, also Sprit usw. zeigen Grenzen. Die EU will per 2012 die Zuschüsse für die Schafhalter einfrieren oder kürzen. Die Hirten sind mittlerweile überaltert und Junge sind nicht in Sicht, bzw. wollen das „365 Tage im Einsatz sein“ nicht mehr mittragen. Meine Vorschläge fanden Anklang und angeblich wird nach einer Möglichkeit für junge Menschen, die trotz UniAbschluss keinen Arbeitsplatz finden, eine Überbrückungstätigkeit im Hirtenberuf gesucht.

Gesamt sehe ich die Situation der Pastore und deutschen Schäfer in ähnlicher, nicht einfacher Situation, sind die Aktiven doch hochkarätige, bestausgebildete Personen, aber das interessiert die Globalisierung nicht. Seitdem habe ich verschiedene Vorträge zum Thema gehalten und Ende April bin ich wieder unterwegs in Spanien. Eine persönliche Einladung zum Transhumanz 2010 liegt bereits vor.

Bei Interesse werde ich Ihnen gerne weiterberichten.

Ein Reisebuch ist in Arbeit.

Stefan Hämmerle

Hämmerle vor Schafherde

Fühlt sich der Schäferei verbunden, obwohl er selbst kein Schäfer ist: Autor Stefan Hämmerle aus Illertissen. Auf alten Weidepfaden in Spanien hat er auch zu sich selbst gefunden. Foto: pr


„Da wurde mir erst klar, was in diesem Thema alles drinsteckt“, sagt Hämmerle. Vor allem sieht er nun die Gefahr, dass alte Traditionen verloren gehen: „Wenn wir so weiter machen mit unserer Infrastruktur, dem Straßenbau, der Zersiedelung, dann gibt es Leute wie diese Schäfer bald nicht mehr.“ Damit gehe dann auch ein Potenzial an Wissen und Tätigkeiten für immer verloren.
Für ihn habe sich seit dem Kongress vieles verändert, sagt Hämmerle: „Was mir bis dato wichtig war, ist unwichtiger geworden. Vieles, was unseren vermeintlichen Luxus ausmacht, brauche ich nicht mehr.“

Einmalige Eindrücke

Er will im Frühjahr wieder in Spanien mit den Schäfern auf ihren Weidepfaden unterwegs sein und hofft, davon auch andere zu begeistern. Eine touristische Nische könnte das sein, meint Hämmerle. Erste Kontakte habe er bereits geknüpft und sei auch gerne bereit zu vermitteln. „Kinder und Erwachsene würden da Eindrücke bekommen, die sie sonst in ihrem ganzen Leben nicht erhalten“, sagt er.
Über seine Erlebnisse bei der Transhumanz will er nun ein Buch schreiben und ist auch gern bereit, in Vorträgen darüber zu berichten. Zum Schreiben kam Hämmerle, eigentlich gelernter Großhandelskaufmann, nach seiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg. Seine Eindrücke und Erkenntnisse verarbeitete er in den Büchern „Handlungsreisender zwischen Welten und Werten“sowie „Gedanken am Fluss“.

Stefan Hämmerle · Grüntenweg 26 · D - 89257 Illertissen
© 2008 by Stefan Hämmerle · www.torrobuch.de